Freundschaftsspiel beim Spitzenreiter.

HC Bad Liebenwerda - HV Calau 42:22 (23:10)

Stell dir vor, es ist Krieg und Keiner geht hin. Die Männermannschaft des HV Calaus befindet sich in der Schlussphase des sich immer weiter zuspitzenden Kampfes um den Klassenerhalt und hatte das schwere Auswärtsspiel beim punktverlustfreien Ligaprimus aus Bad Liebenwerda vor sich. Trotzdem, oder gerade deswegen, fanden sich am vereinbarten Treffpunkt lediglich vier Feldspieler und drei Torhüter ein. Nach längerer Diskussion über den Sinn dieser Reise konnte nach der Abfahrt zum Glück noch Ralf Rexhäuser für die Sache gewonnen werden.

Die Torwarte Florian Gittig und Nachwuchsspieler Jonas Jauer wurden aufgrund der personellen Probleme als Feldspieler eingesetzt und Michael Otto feierte sein Comeback im Tor. Bis zum Spielstand von 2:2 konnte der HVC die Begegnung komplett ausgeglichen gestalten (Ironie), dann folgte das Bild, das von Beginn an erwartet wurde. Bad Liebenwerda zog unaufhaltsam davon. Aber das Beste aus Calauer Sicht war, dass es in solchen Spielen absolut nichts zu verlieren gibt, was der Mannschaft schon im Verlauf der ersten Halbzeit anzumerken war. Der Begriff Spielfreude wäre maßlos übertrieben, aber es entwickelte sich schon etwas Freude am Spiel. Jede gute Aktion wurde gebührend gefeiert und die vielen Sachen die nicht so optimal liefen, wurden mit dem nötigen Humor weggesteckt. Natürlich konnte einem der Gastgeber aus Bad Liebenwerda auch etwas leid tun. Selbst für einen HVC in Bestbesetzung wäre hier nichts zu holen gewesen. Gegen die Rumpftruppe der Gäste gab es für den bereits feststehenden Meister aber erst recht nichts zu gewinnen. So entwickelte sich mehr und mehr ein Freundschaftsspiel, was jeden Wettkampfcharakter verloren hatte. Auf Calauer Seite gaben das starke Feldspielerdebüt von Jonas Jauer sowie ein immer besser werdender Michael Otto im Tor Grund zur Freude. Auch mit dem Halbzeitstand von 23:10 waren die Gäste nicht unglücklich. Nach dem Seitenwechsel das gleiche Kräfteverhältnis. Mit einer Ausnahme. Der Calauer Christopher Faatz lief auf der ungewohnten Rückraumrechtsposition jetzt richtig heiß. Trotz durchgehender Manndeckung wurde er zum auffälligsten und erfolgreichsten Spieler auf dem Platz. Auch Dank der inzwischen wirklich starken Leistung von Michael Otto im Kasten, machte dem HVC der zweite Abschnitt dann richtig Spaß. Die Gastgeber nutzten die Chance, probierten im Angriff und in der Abwehr noch viel aus und gewannen am Ende absolut ungefährdet mit 42:22.

Die Kaderprobleme der Calauer bei Auswärtsspielen erzeugen längst schon das ein oder andere Deja-vu bei den Beteiligten. Aber so drastisch wie vor diesem Spiel waren sie lange nicht. Auch für das nächste Auswärtsspiel in Frankfurt/Oder ist keine Besserung in Sicht. So taumelt der HVC fast wehrlos dem Abstieg entgegen. Es stellt sich inzwischen die Frage, ob es unter diesen Voraussetzungen überhaupt sinnvoll wäre, die Klasse zu halten. Der Dank geht an alle Spieler, die sich an diesem Tag der Verantwortung stellten und den absolut fairen Gastgebern, einschließlich des Publikums, die es den Calauern leicht machten, diese zu schultern.


Der HV Calau spielte mit:
im Tor:  Michael Otto
im Feld:  Martin Sündermann (2), Ralf Rexhäuser (3), Florian Gittig, Andre Warchold (2),
   Thomas Wendt (3), Jonas Jauer (2), Christopher Faatz (10)
Zeitstrafen:  HCBL 7x 2min - HVC 3x 2min (Faatz 14./ Jauer 34.,60.)
Trainer:  Michael Lüer


Autor:  Martin Sündermann